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Künstliche Mineralfaser (KMF)

Alte Mineralwolle erkennen und richtig handeln

PCB-Sanierung - ausgasende Schadstoffe in Fugen, Anstrichen und Bodenbelägen

Künstliche Mineralfasern - kurz KMF - sind der meistverbaute Dämmstoff Deutschlands. Glaswolle und Steinwolle stecken in nahezu jedem Dachboden, in Zwischenwänden, Decken und Rohrleitungen. Das Problem ist dabei nicht die Mineralfaser an sich, sondern ihr Alter: Bis Ende der 1990er Jahre produzierte KMF gilt als krebsverdächtig, weil ihre Fasern im Körper kaum abgebaut werden. Moderne, nach 2000 hergestellte Mineralwolle ist dagegen biolöslich und gesundheitlich unbedenklich. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied, zeigt Fundorte und Gesundheitsrisiken und beschreibt, wie Sie bei einem Verdacht richtig handeln.

Auf einen Blick
  • KMF ist der Sammelbegriff für künstlich hergestellte Mineralfasern wie Glas-, Stein- und Schlackenwolle.
  • Kritisch ist alte KMF, die bis etwa 1996, in manchen Beständen bis 2000, verbaut wurde.
  • Seit 2000 wird in Deutschland ausschließlich biolösliche, gesundheitlich unbedenkliche Mineralwolle hergestellt.
  • Alte und neue Mineralwolle sehen oft gleich aus - Sicherheit bringt nur eine Materialprobe mit Laboranalyse.

Was sind künstliche Mineralfasern?

Künstliche Mineralfasern sind faserförmige, anorganische Dämmstoffe, die industriell aus geschmolzenem Rohmaterial hergestellt werden. Aus der Schmelze werden feine Fasern gezogen, geschleudert oder geblasen und anschließend zu Matten, Platten oder losem Material verarbeitet. Je nach Ausgangsstoff unterscheidet man Glaswolle (aus Altglas und Sand), Steinwolle (aus Basalt, Diabas und anderen Gesteinen) sowie die ältere Schlackenwolle (aus Hochofenschlacke). Daneben gibt es Hochtemperatur-Mineralfasern, sogenannte Aluminiumsilikatfasern, die in Industrieöfen und Brennkammern eingesetzt werden.

KMF gehört zu den künstlichen Mineralfasern und ist von Asbest klar abzugrenzen: Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral, KMF ein technisches Produkt. Beide sind faserförmig - und genau die Faserform ist der Grund, warum auch KMF gesundheitlich relevant sein kann.

Entscheidend für die Gefahrenbewertung ist nicht die Wollart, sondern das Herstellungsjahr. Bis Mitte der 1990er Jahre produzierte KMF besteht aus biobeständigen Fasern, die der Körper nach dem Einatmen nur sehr langsam abbauen kann. Diese alten Fasern stehen unter Krebsverdacht. Moderne Mineralwolle wird dagegen biolöslich hergestellt: Ihre Fasern lösen sich im Körper innerhalb kurzer Zeit auf und gelten als unbedenklich. Wer von KMF als Schadstoff spricht, meint deshalb fast immer die alte Mineralwolle.

Wo kommt künstliche Mineralfaser in Gebäuden vor?

Alte Mineralwolle wurde über Jahrzehnte branchenübergreifend als Dämm- und Isoliermaterial eingesetzt - vom Einfamilienhaus bis zur Industrieanlage. Typische Fundorte sind:

  • Dach und Dachgeschoss: Dach- und Zwischensparrendämmung, Dämmung von Dachböden und Kniestöcken
  • Decken, Wände und Böden: Decken-, Wand- und Bodendämmung in Wohn-, Büro-, Schul- und Verwaltungsgebäuden
  • Gebäudetechnik: Heizungs-, Rohrleitungs- und Kesselisolierungen in Industrieanlagen und Heizungskellern
  • Schall- und Brandschutz: Schalldämmplatten in abgehängten Decken, Trockenbauwänden und Studios
  • Industrie: Hochtemperatur-Mineralfasern in Industrieöfen, Brennkammern und Schornsteinen

Als Faustregel gilt: In acht von zehn Gebäuden mit Baujahr vor 1996 finden sich KMF-Bestände. Häufig liegt alte Mineralwolle gemeinsam mit anderen Schadstoffen vor. Besonders in Heizungs- und Rohrleitungsisolierungen aus den 1970er Jahren wurden KMF und Asbest kombiniert verbaut - solche Mischbestände erfordern bei einer Sanierung ein angepasstes Vorgehen.

Warum ist alte künstliche Mineralfaser gefährlich?

Wie bei Asbest ist nicht das Material als solches das Problem, sondern die einzelne Faser, die daraus freigesetzt wird. Beim Ausbau, Zuschneiden oder Beschädigen alter Mineralwolle lösen sich lungengängige Fasern, die mit der Atemluft tief in die Lunge gelangen.

Entscheidend ist, wie der Körper mit diesen Fasern umgeht. Dafür wurde der Kanzerogenitätsindex (KI) entwickelt - ein Kennwert, der die Biolöslichkeit einer Faser beschreibt. Viele vor 2000 produzierte KMF-Produkte haben einen KI unter 40: Ihre Fasern werden im Körper nur langsam abgebaut und verbleiben lange im Gewebe. Nach TRGS 905 wurden diese Fasern als „krebserzeugend Kategorie 2" eingestuft, der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) bewertet alte KMF entsprechend als krebsverdächtig.

1996 wurde mit dem RAL-Gütezeichen „GGM" der Gütegemeinschaft Mineralwolle ein Wendepunkt gesetzt; ab 2000 durfte in Deutschland nur noch biolösliche Mineralwolle hergestellt und in Verkehr gebracht werden. Diese neuen Fasern haben einen hohen Kanzerogenitätsindex, lösen sich im Körper rasch auf und gelten als gesundheitlich unbedenklich. Neben dem Krebsverdacht kann alte wie neue Mineralwolle bei direktem Kontakt mechanische Reizungen von Haut, Augen und Atemwegen verursachen - der eigentliche Gefahrenpunkt der alten KMF bleibt aber die biobeständige, krebsverdächtige Faser.

Wie erkenne ich alte künstliche Mineralfaser?

Mit bloßem Auge lässt sich alte KMF nicht zuverlässig von neuer Mineralwolle unterscheiden - beide sind in Farbe und Struktur oft nahezu identisch. Ein begründeter Verdacht ergibt sich vor allem aus dem Baujahr des Gebäudes oder dem Einbaujahr des Dämmstoffs.

Eine grobe zeitliche Einordnung hilft als erste Orientierung: Material aus Gebäuden mit Baujahr vor 1996 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit krebsverdächtige alte KMF. Material, das nachweislich nach 2000 verbaut wurde, ist verbindlich biolöslich und unbedenklich. Der Zeitraum dazwischen ist eine Übergangsphase, in der beide Faserarten im Umlauf waren. Ein Hinweis auf neue, geprüfte Mineralwolle ist das RAL-Gütezeichen - es fehlt bei alter KMF jedoch grundsätzlich.

Gewissheit bringt allein eine Materialprobe mit anschließender Laboranalyse. Das Labor bestimmt den Kanzerogenitätsindex der Faser und ordnet das Material eindeutig zu. Die Probe sollte von einer sachkundigen Person entnommen werden, da bereits die Entnahme Fasern freisetzen kann. Das beauftragte Labor sollte nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert sein. Erst der schriftliche Befund schafft die Grundlage für jede weitere Entscheidung.

Was tun bei KMF-Verdacht?

Die wichtigste Regel zuerst: Bei Verdacht auf alte KMF verdächtige Dämmstoffe nicht selbst ausbauen, zuschneiden oder aufwirbeln. Genau diese Tätigkeiten setzen Fasern frei. Lassen Sie verdächtiges Material unberührt und vermeiden Sie es, Staub aufzuwirbeln.

Der richtige Weg führt über einen sachkundigen Fachbetrieb. Er entnimmt die Materialprobe geschützt, lässt sie analysieren und bewertet den Befund. Bestätigt sich alte KMF, plant er den Rückbau nach TRGS 521 - der Technischen Regel für Gefahrstoffe zu Tätigkeiten mit krebserzeugender Wirkung von Faserstäuben. Dazu gehören je nach Faserkonzentration ein Schwarzbereich, Atemschutz, Hautschutz, Schutzanzüge sowie eine dokumentierte Entsorgung auf zugelassenen Deponien. Anders als bei Asbest gibt es für reine KMF-Arbeiten keine bundeseinheitliche Anzeigepflicht; bei Großprojekten oder Mischbeständen mit Asbest greift jedoch die Anzeige nach § 37 GefStoffV.

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Häufige Fragen

Häufige Fragen zu künstlicher Mineralfaser

Alte, vor etwa 2000 produzierte Mineralwolle besteht aus biobeständigen Fasern, die der Körper kaum abbauen kann, und gilt als krebsverdächtig. Neue Mineralwolle ist biolöslich, löst sich im Körper rasch auf und ist gesundheitlich unbedenklich. Optisch sind beide oft nicht zu unterscheiden.

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