Pentachlorphenol (PCP)
Holzschutzmittel-Schadstoff erkennen und richtig handeln
Der ENTOX-Ratgeber zum Holzschutzmittel-Wirkstoff Pentachlorphenol - wo er vorkommt, warum er als Gebäudeschadstoff gilt und wie Sie bei einem Verdacht Schritt für Schritt richtig vorgehen.
Pentachlorphenol - kurz PCP - war über mehrere Jahrzehnte einer der meistverwendeten Wirkstoffe in Holzschutzmitteln. Er steckt bis heute in Millionen verbauter Holzbauteile in deutschen Bestandsgebäuden. Anders als bei Asbest geht von PCP keine Gefahr durch Fasern aus, sondern durch ein langsames, dauerhaftes Ausgasen in die Raumluft. Dieser Ratgeber erklärt, was PCP ist, wo es im Gebäude vorkommt, welches Gesundheitsrisiko von ihm ausgeht und wie Sie bei einem Verdacht richtig handeln.
- Herstellung und Verwendung von PCP sind in Deutschland seit 1989 verboten.
- Besonders betroffen sind Holzbauteile, die zwischen den 1960er und 1980er Jahren behandelt wurden.
- PCP wurde häufig mit dem Insektizid Lindan kombiniert und kann herstellungsbedingt mit Dioxinen verunreinigt sein.
- Eine sichere Identifikation ist nur über eine Material- oder Hausstaubprobe mit Laboranalyse möglich.
Was ist Pentachlorphenol?
Pentachlorphenol ist eine chlororganische Chemikalie, die ab den 1950er Jahren großtechnisch hergestellt und als Wirkstoff in Holzschutzmitteln eingesetzt wurde. PCP wirkt als Fungizid - es schützt Holz vor Pilzbefall und Bläue. Wegen seiner guten Wirksamkeit, seiner Beständigkeit und seines niedrigen Preises wurde es über Jahrzehnte in großem Umfang verarbeitet.
Entscheidend für die heutige Gefahrenbewertung sind zwei Eigenschaften. Erstens ist PCP schwer flüchtig, aber nicht völlig flüchtigkeitsfrei: Es gast über Jahrzehnte langsam aus behandeltem Holz in die Raumluft aus und lagert sich an Oberflächen und im Hausstaub ab. Zweitens kann PCP herstellungsbedingt mit Dioxinen und Furanen (PCDD/PCDF) verunreinigt sein - hochgiftige Begleitstoffe, die bei der Produktion entstehen. In der Praxis wurde PCP zudem oft mit dem Insektizid Lindan kombiniert, um gleichzeitig gegen Pilze und Holzschädlinge zu wirken. Eine PCP-Belastung tritt deshalb häufig nicht allein auf.
Wo kommt Pentachlorphenol in Gebäuden vor?
PCP findet sich überall dort, wo zwischen den 1960er und 1980er Jahren Holz mit Holzschutzmitteln behandelt wurde - vor allem im Innenausbau. Typische Fundorte sind:
- Dachstühle: Sparren, Pfetten, Schalung und Dachlatten, oft großflächig mit Holzschutzmittel gestrichen oder gespritzt
- Innenausbau: Holzvertäfelungen an Wänden und Decken, Holzdecken in Wohn- und Aufenthaltsräumen
- Holzkonstruktionen: Fachwerk im Innenbereich, sichtbare Balkenlagen, Holztreppen und Geländer
- Fenster und Türen: Rahmen und Zargen aus behandeltem Holz, vor allem in den 1970er Jahren
Besonders kritisch sind großflächig behandelte Holzoberflächen in dauerhaft genutzten Innenräumen - etwa Holzdecken oder Wandvertäfelungen in Wohn-, Schlaf- oder Büroräumen. Hier ist die Kontaktfläche zur Raumluft groß und die Aufenthaltsdauer der Nutzer lang. Das Baujahr eines Gebäudes ist deshalb der erste, aber nie ein abschließender Hinweis.
Warum ist Pentachlorphenol gefährlich?
Gefährlich ist bei PCP nicht ein einmaliger Kontakt, sondern die dauerhafte, niedrige Belastung über lange Zeit. PCP wird über die Atemluft, über die Haut und über kontaminierten Hausstaub aufgenommen. Da behandeltes Holz den Wirkstoff über Jahrzehnte abgibt, sind Bewohner betroffener Räume einer Langzeit-Exposition ausgesetzt.
PCP gilt als gesundheitlich problematisch: Es kann die Schleimhäute reizen, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und unspezifische Beschwerden auslösen und steht im Verdacht, Leber, Nieren und das Immunsystem zu belasten. Verschärft wird das Risiko durch die mögliche Dioxin-Verunreinigung: Dioxine zählen zu den giftigsten bekannten Umweltchemikalien und reichern sich im Körper an. Kommt - wie häufig - zusätzlich Lindan ins Spiel, addieren sich die Belastungen. In den 1980er Jahren führte genau diese Problematik zum sogenannten „Holzschutzmittel-Skandal", an dessen Ende das Verbot stand.
Wie erkenne ich Pentachlorphenol?
Mit bloßem Auge lässt sich PCP nicht zuverlässig erkennen. Behandeltes und unbehandeltes Holz sehen oft identisch aus, und ein Holzschutzanstrich allein sagt nichts über den eingesetzten Wirkstoff aus. Ein begründeter Verdacht ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Baujahr beziehungsweise Behandlungszeitraum (etwa 1960 bis 1989), sichtbar behandelten Holzbauteilen und manchmal einem typischen, leicht süßlich-chemischen Geruch im Raum.
Gewissheit bringt nur eine Laboranalyse. Üblich sind zwei Wege: eine Materialprobe (zum Beispiel eine Holzspanprobe vom verdächtigen Bauteil) zeigt die Belastung im Holz selbst; eine Hausstaubprobe zeigt, wie stark der Wirkstoff bereits in die Raumluft und auf die Oberflächen übergegangen ist. Die Probenahme sollte eine sachkundige Person übernehmen, das Labor sollte akkreditiert sein. Erst der schriftliche Befund schafft die Grundlage für jede weitere Entscheidung.
Was tun bei Pentachlorphenol-Verdacht?
Bei Verdacht auf PCP gilt: behandelte Holzbauteile nicht eigenhändig abschleifen, abbeizen oder unkontrolliert ausbauen. Genau diese Tätigkeiten können große Mengen Schadstoff in die Raumluft und in den Hausstaub freisetzen. Vermeiden Sie auch, kontaminiertes Holz im Hausmüll oder über eine normale Entrümpelung zu entsorgen - PCP-belastetes Holz ist gefährlicher Abfall.
Der richtige Weg führt über einen sachkundigen Fachbetrieb: Er entnimmt die Proben, lässt sie analysieren und bewertet den Befund. Fällt dieser positiv aus, plant er die Sanierung - je nach Lage durch fachgerechten Rückbau, Tiefenbehandlung oder Versiegelung der Oberflächen, immer mit geeignetem Schutzkonzept und dokumentierter Entsorgung. Für Arbeiten an mit Holzschutzmitteln belasteten Bauteilen sind die einschlägigen Regelwerke maßgeblich, unter anderem die PCP-Richtlinie der Bauministerkonferenz und die TRGS 524 für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen.
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