Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Gebäudeschadstoff erkennen und richtig handeln
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe - kurz PAK - sind ein Gebäudeschadstoff, der sich vor allem unter alten Bodenbelägen versteckt. Der bekannteste Fall ist der schwarze, teerhaltige Pechkleber unter Mosaik- und Stabparkett. PAK wurden bis Mitte der 1970er Jahre als Bestandteil von Steinkohlenteer-Klebern eingesetzt - günstig, hitzebeständig und ölabweisend. Heute weiß man: Der wichtigste PAK-Marker Benzo(a)pyren schädigt das Erbgut und gilt als krebserzeugend. Dieser Ratgeber erklärt, was PAK sind, wo sie vorkommen, welches Gesundheitsrisiko von ihnen ausgeht und wie Sie bei einem Verdacht richtig handeln.
- PAK sind Verbrennungs- und Pyrolyseprodukte, die im Bauwesen vor allem in Steinkohlenteer-Klebern enthalten sind.
- Häufigster Fall ist der schwarze, klebrige Pechkleber unter altem Mosaik- und Stabparkett bis Baujahr etwa 1978.
- Der PAK-Leitstoff Benzo(a)pyren gilt als krebserzeugend Kategorie 1B nach EU-CLP.
- Eine sichere Identifikation gelingt nur über eine Materialprobe mit Benzo(a)pyren-Bestimmung im Labor.
Was sind polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe?
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe sind eine große Gruppe organischer Verbindungen, die aus mehreren miteinander verbundenen Kohlenstoffringen bestehen. Sie sind keine reine Erfindung der Industrie, sondern entstehen immer dann, wenn organisches Material wie Steinkohle, Holz oder Erdöl unter Hitze unvollständig verbrennt oder verkokt - sie sind also Verbrennungs- und Pyrolyseprodukte.
Im Bauwesen sind PAK fast immer an Steinkohlenteer und Steinkohlenteerpech gebunden. Steinkohlenteer fällt bei der Verkokung von Steinkohle an und enthält von Natur aus hohe PAK-Anteile. Aus diesem Teer wurden über Jahrzehnte Klebermassen, Beschichtungen und Dichtungsbahnen hergestellt - sie waren billig, dauerhaft, hitze- und ölbeständig und galten lange als idealer Baustoff.
Da PAK aus vielen Einzelverbindungen bestehen, wird zur Bewertung ein Leitstoff herangezogen: Benzo(a)pyren. Diese Einzelverbindung ist besonders gut untersucht, gilt als krebserzeugend und dient deshalb als Marker für die gesamte PAK-Belastung eines Materials. Die im Labor bestimmte Benzo(a)pyren-Konzentration entscheidet später auch über die Entsorgungskategorie. PAK-haltige Materialien sind heute nach der Chemikalien-Verbotsverordnung verboten - in Bestandsgebäuden müssen sie bei Sanierung und Rückbau sachgerecht behandelt werden.
Wo kommen PAK in Gebäuden vor?
PAK-haltige Materialien finden sich vor allem in Gebäuden, die bis Mitte der 1970er Jahre errichtet oder mit teerhaltigen Produkten ausgestattet wurden. Die mit Abstand häufigste Quelle sind teerhaltige Parkettkleber.
Typische Fundorte sind:
- Teerhaltige Parkettkleber (Pechkleber): Bis etwa 1978 wurden Mosaik- und Stabparkett in Wohngebäuden, Schulen und Verwaltungsbauten mit Steinkohlenteer-Klebern verlegt. Auch nach dem Entfernen des Parketts bleiben Klebstoffrückstände am Estrich.
- Korkdämmstoffe: In Kühlzellen, Kühlhäusern und Industrieanlagen wurden Korkdämmstoffe häufig mit teerhaltigen Klebstoffen verarbeitet.
- Bitumen- und Teerdichtungsbahnen: Dachpappen vor etwa 1985 und manche Asphaltestriche können hohe PAK-Anteile aufweisen.
- Imprägnierte Holzbauteile: Bahnschwellen, Telegrafenmasten und andere mit Teeröl imprägnierte Hölzer, vor allem in Außenanlagen.
- Anstriche im Tief- und Tunnelbau: teerhaltige Schutzanstriche an Bauwerken außerhalb des Hochbaus.
Häufig liegen PAK gemeinsam mit anderen Schadstoffen vor. Besonders in Kühlzellen, alten Industrieanlagen und manchen Bitumendichtungen kommen PAK und Asbest zusammen vor - solche Mischbestände erfordern bei einer Sanierung ein abgestimmtes Vorgehen.
Warum sind PAK gefährlich?
Die gesundheitliche Bedeutung von PAK ergibt sich vor allem aus dem Leitstoff Benzo(a)pyren. Benzo(a)pyren ist erbgutschädigend und gilt als krebserzeugend Kategorie 1B nach der EU-CLP-Verordnung. Damit zählt es zu den Stoffen, bei denen von einer krebserzeugenden Wirkung beim Menschen auszugehen ist.
Die Aufnahme von PAK aus teerhaltigen Baustoffen erfolgt auf mehreren Wegen. Teerhaltige Materialien können flüchtige PAK-Bestandteile abgeben, sodass die Raumluft belastet wird; zudem gelangen PAK über teerhaltigen Staub und über direkten Hautkontakt in den Körper. Besonders kritisch wird es, wenn teerhaltige Materialien aufgebrochen, geschliffen oder beheizt werden - dann steigt die Freisetzung deutlich an. Charakteristisch für teerhaltige Baustoffe ist außerdem ein typischer, anhaltender teerartiger Geruch, der ein erster Hinweis auf eine Belastung sein kann.
Wie bei anderen krebserzeugenden Schadstoffen liegt die Tücke in der langen Zeitspanne zwischen Belastung und möglicher Erkrankung. Eine sichere Untergrenze, unterhalb derer von einer krebserzeugenden Wirkung keine Rede sein kann, lässt sich nach heutigem Kenntnisstand nicht angeben. Deshalb gilt: Je geringer die Belastung und je sachgerechter der Umgang mit teerhaltigen Materialien, desto besser.
Wie erkenne ich PAK?
PAK lassen sich - anders als die meisten Gebäudeschadstoffe - in vielen Fällen optisch zumindest vermuten. Der typische Fall ist ein schwarzer, glänzender und klebriger Belag unter aufgenommenem Parkett oder am Estrich. Ein anhaltender teerartiger Geruch verstärkt den Verdacht. Beides ist aber nur ein Indiz, kein Nachweis.
Ein begründeter Verdacht ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Baujahr und Bauteiltyp. Mosaik- und Stabparkett aus Gebäuden mit Baujahr bis etwa 1978, Korkdämmungen in alten Kühlzellen und Dachpappen vor etwa 1985 stehen unter Verdacht. Wie bei jedem Schadstoff ist das Baujahr der erste, aber nie ein abschließender Hinweis.
Gewissheit bringt nur eine Materialprobe mit anschließender Laboranalyse. Das akkreditierte Labor bestimmt dabei die Benzo(a)pyren-Konzentration des Materials und ordnet es einer Entsorgungskategorie zu. Wichtig ist, die Probe vor jeder Demontage zu entnehmen - denn das Aufnehmen von Parkett oder das Aufbrechen von Belägen kann PAK freisetzen. Erst der schriftliche Befund schafft die Grundlage für die weitere Planung.
Was tun bei PAK-Verdacht?
Die wichtigste Regel zuerst: Bei Verdacht auf PAK verdächtige Bodenbeläge nicht selbst aufnehmen, schleifen oder aufbrechen. Genau diese Tätigkeiten setzen teerhaltigen Staub und flüchtige PAK frei. Lassen Sie verdächtige Bauteile unberührt, bis der Befund vorliegt.
Der richtige Weg führt über einen sachkundigen Fachbetrieb. Er entnimmt die Materialprobe geschützt, lässt die Benzo(a)pyren-Konzentration bestimmen und bewertet den Befund. Bestätigt sich eine Belastung, plant er die Sanierung nach TRGS 551 - der Technischen Regel für Teer- und Steinkohlenteerpech-Produkte - sowie nach TRGS 524 für Arbeiten in kontaminierten Bereichen. Dazu gehören je nach Belastung ein Schwarzbereich, Atemschutz und Schutzkleidung. Häufig muss auch der Estrich mit ausgebaut werden, weil teerhaltige Kleber tief in ihn eingedrungen sind. Der PAK-haltige Bauschutt ist gefährlicher Abfall und wird nach der Chemikalien-Verbotsverordnung und dem Abfallverzeichnis dokumentiert entsorgt. Bei Mischbeständen mit Asbest greift zusätzlich die Anzeigepflicht nach § 37 GefStoffV.
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