Polychlorierte Biphenyle (PCB)
Gebäudeschadstoff erkennen und richtig handeln
Der ENTOX-Ratgeber zum Gebäudeschadstoff PCB - wo er vorkommt, warum er über die Raumluft zum Gesundheitsrisiko wird und wie Sie bei einem Verdacht Schritt für Schritt vorgehen.
Polychlorierte Biphenyle - kurz PCB - gehören zu den unauffälligsten Gebäudeschadstoffen. Sie fasern nicht und sind nicht sichtbar; ihr Risiko liegt darin, dass sie über Jahrzehnte langsam in die Raumluft ausgasen. PCB steckt vor allem in dauerelastischen Fugendichtmassen, in bestimmten Anstrichen, Klebern und Bodenbelägen aus den 1960er und 1970er Jahren. Bis heute sind PCB Quelle erhöhter Raumluftbelastungen in Schulen, Verwaltungsbauten und Industrieliegenschaften. Dieser Ratgeber erklärt, was PCB sind, wo sie vorkommen, welches Gesundheitsrisiko von ihnen ausgeht und wie Sie bei einem Verdacht richtig handeln.
- PCB sind chlorierte Kohlenwasserstoffe, die bis Ende der 1970er Jahre als Weichmacher in Bauprodukten eingesetzt wurden.
- Anders als Asbest fasern PCB nicht - sie belasten die Raumluft durch Ausgasung über Jahrzehnte.
- Die PCB-Richtlinien der Bundesländer definieren Maßnahmewerte für die Raumluft: 300 ng/m³ Vorsorgewert, 3.000 ng/m³ Interventionswert.
- Eine sichere Identifikation gelingt nur über Materialproben und Raumluftmessungen mit Laboranalyse.
Was sind polychlorierte Biphenyle?
Polychlorierte Biphenyle sind eine Gruppe synthetisch hergestellter, chlorierter Kohlenwasserstoffe. Wegen ihrer Eigenschaften - schwer entflammbar, chemisch sehr stabil, elektrisch isolierend und weichmachend - galten sie über Jahrzehnte als vielseitiger Industriestoff. Im Bauwesen wurden PCB vor allem als Weichmacher in dauerelastischen Dichtmassen sowie als brandhemmender oder weichmachender Zusatz in Anstrichen verwendet.
Genau die Stabilität, die PCB technisch attraktiv machte, ist heute das Problem. PCB sind als persistent, bioakkumulativ und toxisch eingestuft - kurz PBT. „Persistent" bedeutet, dass sie sich in der Umwelt kaum abbauen; „bioakkumulativ", dass sie sich in Organismen anreichern. PCB werden deshalb zu den langlebigen organischen Schadstoffen gezählt. Herstellung und Verwendung von PCB sind in Deutschland seit Ende der 1980er Jahre verboten - in Bestandsgebäuden aus der Bauzeit davor steckt das Material aber bis heute.
Charakteristisch für PCB ist, dass sie sich nicht als Faser, sondern als ausgasender Stoff verhalten. Aus dem Quellmaterial treten PCB-Moleküle langsam und kontinuierlich aus und reichern sich in der Raumluft, im Hausstaub und in benachbarten Bauteilen an. Diese Eigenschaft unterscheidet PCB grundlegend von faserförmigen Schadstoffen wie Asbest oder künstlichen Mineralfasern und bestimmt sowohl die Erkennung als auch die Sanierung.
Wo kommt PCB in Gebäuden vor?
PCB-haltige Materialien finden sich vor allem in Gebäuden, die zwischen etwa 1955 und 1980 errichtet oder saniert wurden. Man unterscheidet Primärquellen, in denen PCB von Anfang an enthalten war, und Sekundärquellen, die erst durch Ausgasung kontaminiert wurden.
Typische Primärquellen sind:
- Dauerelastische Fugen: Polysulfid-Fugendichtmassen in Beton-Fertigteilbauten - als Bewegungsfugen, Anschlussfugen an Fenstern und Fassadenfugen, mit häufig 5 bis 30 Prozent PCB-Anteil
- Anstriche: brandhemmende oder weichmachende Anstriche in Schwimmbädern, Tiefgaragen, Treppenhäusern und älteren Schulgebäuden
- Kleber und Bodenbeläge: PCB-haltige Klebebeschichtungen unter Bodenbelägen sowie ältere Bodenbeläge wie Cushion-Vinyl
- Gebäudetechnik: Trafo- und Kondensator-Bauteile, die heute meist bereits entfernt sind, bei einer Bestandsaufnahme aber zu prüfen sind
Hinzu kommen die Sekundärquellen. PCB wandert: Aus Fugen oder Anstrichen gehen die Moleküle über Jahrzehnte in benachbarte Bauteile wie Beton, Putz oder Holz über. Diese sekundärkontaminierten Materialien können auch dann noch ausgasen, wenn die ursprüngliche Quelle längst entfernt ist.
Warum ist PCB gefährlich?
Die Gefahr von PCB ergibt sich aus der Kombination von dauerhafter Ausgasung und langer Verweildauer im Körper. Wer sich über Jahre in einem belasteten Gebäude aufhält, nimmt PCB über drei Wege auf: durch Einatmen der belasteten Raumluft, über Hautkontakt und über kontaminierten Hausstaub.
Im Körper bauen sich PCB nur sehr langsam ab. Sie reichern sich vor allem im Fettgewebe an und können dort über lange Zeiträume verbleiben. Aus dieser dauerhaften Belastung können verschiedene gesundheitliche Schäden entstehen: PCB können das Immunsystem, das Nervensystem und die Leber beeinträchtigen. Bei langfristiger Exposition gelten PCB zudem als krebsverdächtig; die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) führt PCB in der Gruppe 1.
Besonders kritisch ist, dass die Belastung über Jahre unbemerkt verläuft. PCB sind geruchlos, unsichtbar und faserfrei - Nutzer eines belasteten Gebäudes spüren die Belastung nicht. Aus diesem Grund haben die Bundesländer verbindliche Bewertungsmaßstäbe geschaffen: Die PCB-Richtlinien definieren Maßnahmewerte für die Raumluftkonzentration. Der Vorsorgewert liegt bei 300 ng/m³, der Interventionswert bei 3.000 ng/m³. Wird der Interventionswert überschritten, ist eine Sanierung unmittelbar geboten.
Wie erkenne ich PCB?
Mit bloßem Auge lässt sich PCB nicht erkennen - die Materialien sehen aus wie unbelastete Fugen, Anstriche oder Beläge, und die Ausgasung ist weder sichtbar noch riechbar. Ein begründeter Verdacht ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Baujahr (etwa 1955 bis 1980) und Bauteiltyp.
Verdächtig sind insbesondere dauerelastische Fugen in Beton-Fertigteilbauten - Fugen, die vor 1978 eingebaut wurden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit PCB-haltig. Ebenso unter Verdacht stehen Anstriche mit besonderen Eigenschaften wie brandhemmender oder weichmachender Wirkung sowie ältere Bodenbelagskleber. Das Baujahr ist dabei der erste, aber nie ein abschließender Hinweis.
Gewissheit bringt nur eine zweifache Untersuchung: eine Materialprobe je verdächtigem Bauteil und eine Raumluftmessung je betroffenem Raum. Das akkreditierte Labor bestimmt den PCB-Gehalt der Quellmaterialien und die PCB-Konzentration der Raumluft in Nanogramm pro Kubikmeter. Erst aus dem Abgleich beider Werte mit den Maßnahmewerten der PCB-Richtlinie lässt sich der Sanierungsbedarf seriös bestimmen.
Was tun bei PCB-Verdacht?
Anders als bei faserförmigen Schadstoffen entsteht die Belastung bei PCB nicht erst durch Bauarbeiten, sondern bereits durch die laufende Ausgasung. Bei einem Verdacht sollten Sie verdächtige Bauteile dennoch nicht eigenmächtig herausreißen oder bearbeiten - der Rückbau kann die Belastung kurzfristig erhöhen und gehört in fachkundige Hände.
Der richtige Weg führt über einen sachkundigen Fachbetrieb. Er nimmt Material- und Raumluftproben, lässt sie analysieren und bewertet die Befunde gegen die Maßnahmewerte. Bestätigt sich eine Belastung, plant er die Sanierung nach der PCB-Richtlinie und nach TRGS 524, der Technischen Regel für Arbeiten in kontaminierten Bereichen. Das Konzept legt fest, ob Primärquellen ausgebaut und ob sekundärkontaminierte Flächen zurückgebaut oder versiegelt werden. Der PCB-haltige Bauschutt ist gefährlicher Abfall und wird nach den Vorgaben der Chemikalien-Verbotsverordnung und der PCB/PCT-Abfallverordnung dokumentiert entsorgt. Den Abschluss bildet eine Raumluft-Freimessung, die den Sanierungserfolg belegt.
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ENTOX saniert PCB bundesweit nach PCB-Richtlinie und TRGS 524 - von der Material- und Raumluftprobe über Rückbau oder Versiegelung bis zur Freimessung und Wiederherstellung.
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